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Bevölkerungsschwund ++ Ärger in der Hauptstraße ++ Sommermusiken in der Kirche

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Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
schön, dass Sie meine Mail geöffnet haben und sich auf Ihren und unseren Freitags-MAZ-Newsletter aus dem Herzen der Stadt Brandenburg freuen, die Havelpost
Ich hoffe mal, ihre Woche war erträglich. Meine auch. Aber ich will ehrlich sein, der statistische Bevölkerungsbericht hat mich ziemlich erschüttert. Einfach, weil mich mein Gefühl betrogen hat. Ich habe gedacht es läuft besser. 555 Kinder sind 2020 in Brandenburg an der Havel geboren. 1113 Menschen starben im gleichen Zeitraum. Das ist eine Differenz von 558 Menschen. Und der Trend ist nicht neu. 2019 waren es 546 Sterbefälle mehr als Geburten. Das ist ein Dilemma.  
Denn auch wenn gefühlt immer mehr neue Menschen in die Stadt kommen: Zusammen mit der natürlichen Bevölkerungsentwicklung und den Wanderungsbewegungen – also der Differenz zwischen den Zu- und Fortzügen - wird es für die Stadt augenscheinlich immer schwieriger, den Bevölkerungsrückgang zu stoppen. Ja, 2020 zogen 426 Menschen mehr nach Brandenburg an der Havel als sie im gleichen Zeitraum verließen. Aber mit dem Sterbeüberschuss steht am Ende ein dickes Minus.  
Sicher gibt es viele Menschen, die aus dem Ballungsraum Berlin fliehen und sich in der zauberhaften Stadt Brandenburg ein Quartier nehmen. Aber, da beißt die Maus keinen Faden ab: Es kommen nicht genug. Heute leben etwa 2 Prozent weniger Deutsche in der Stadt Brandenburg als 2015. Das ist nicht schlimm, beweist aber doch, dass sich die lokale Politik seit einigen Jahren in die eigene Tasche lügt ob ihrer eigenen Großartigkeit.  
64 800 oder 75 000 – mit welcher Einwohnerzahl soll man für die Zukunft der Stadt planen, fragte sich beispielsweise die örtliche CDU vor gut drei Jahren. Prognosen vertrauen oder lieber Visionen entwickeln? Die CDU entschied sich für Visionen (und wusste da die SPD an ihrer Seite) und begann, mit einem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept“ auf Wachstum zu setzen. Aber Wachstum kommt nicht, nur weil man es sich wünscht.  
Seien wir ehrlich zu uns: Die Stadt hat sich herausgeputzt. Man darf stolz sein, hier zu wohnen. Doch warum weiß kaum jemand, was hier 45 Zugminuten vor Berlin und 19 hinter Potsdam für eine Perle an der Havel liegt? Warum wuchert die Stadt nicht aktiv mit ihren Pfunden. Wo sind die Bauprojekte, die Masterpläne, die Willkommenspakete und das Stadtmarketing, die zusammen dafür sorgen, dass die Berlin-Flucht nicht an Brandenburg vorbeigeht? Ja, man kann von meiner Kritik genervt feststellen, dass auch Frankfurt/Oder und Cottbus Einwohner verlieren. Ja, aber waren sie mal dort und sind dann durch Brandenburg spaziert? Es ist absurd, dass Menschen zu Tausenden nach Oranienburg oder Falkensee ziehen und Brandenburg die kalte Schulter zeigen.  
Brandenburg tut nicht genug dafür, Menschen in die Stadt zu locken. Es ist doch im Grunde unvorstellbar, dass es Bauverwaltung und Stadtplanung nicht schaffen, beispielsweise das alte Ziegeleigelände zu parzellieren und zu verkaufen. Da sollten längst Häuser stehen! So wie auf dem Packhof! Pure Agonie. Und es regt sich schon fast niemand mehr auf, sondern winkt resigniert ab, wenn an immer neuen Stellen - anscheinend unkoordiniert - kleine und Kleinstbaustellen entstehen, die dann gefühlt jahre- und mindestens monatelang brach liegen. In den sieben Monaten, in denen jetzt zwei auszubauende Haltstellen in der Steinstraße dafür sorgen, dass die Straße einseitig gesperrt ist, wird anderswo ein Flugplatz gebaut! Wenn der Plan ist, die Bürger daran zu gewöhnen, dass die Steinstraße bald Fußgängerzone wird, könnte das Vorhaben erfolgreich sein. Aber dann soll man es doch sagen. 
Und es regt sich auch niemand mehr laut darüber auf, dass sich der Verkehr täglich über den gesamten Dom staut, weil die Ampel am Neustädtischen Markt nicht so eingestellt ist, dass der Stau abfließt.
Was ist seit 2015 – als die Aufbruchstimmung zur Buga mit Händen greifbar war - passiert in der Havelstadt? Unpolitisch und desinteressiert ist die Lokalpolitik seither geworden und es verwirrt, wie wenig offensiv – alle Fachbereiche eingeschlossen - das Rathaus agiert.  
Bleiben Sie uns gewogen und schreiben Sie mir, wenn Sie Tipps oder Anregungen haben, wie Ihre Havelpost noch besser werden kann: benno.rougk@maz-online.de.
Ich wünsche Ihnen und mir ein schönes Wochenende!
Ihr Benno Rougk
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Leute Leute...

Es gibt sie, die kleinen Geschichten, die es normalerweise nicht in die Berichterstattung der MAZ schaffen. Hier schreiben wir sie dennoch auf, weil sie von den Menschen handeln, die in Brandenburg an der Havel und drumherum leben.
Renee Rohr (Foto: Lauterbach)
Renee Rohr (Foto: Lauterbach)
Wer das Fotostudio von Renee Rohr am Rosenhag betritt, stutzt einen Moment. Ein Buch liest auf dem Tresen. Was liest der Mann denn da, der in Brandenburg an der Havel als Fotograf, Geschäftsmann, Union-Berlin-Fan und vieles mehr bekannt ist? „Kollegen spurlos verschwinden lassen“, steht groß auf dem Titel und als Dachzeile: „Von italienischen Profis getestet“. Eine Schaufel dient als Illustration für „Teil 1 Grundlagen & Vorbereitung“. „Ist nur ein Notizbuch“, erklärt Renee Rohr und freut sich, dass wieder ein Kunde aufmerksam geworden ist. Klar, der Fotograf ist ja auch als Karnevalist des KCH stadtbekannt und versteht von daher auch etwas von (schwarzem) Humor.
Bernd Voigt (Foto: Böhme)
Bernd Voigt (Foto: Böhme)
Das hätte sich der engagierte Ortsvorsteher von Göttin auch nicht träumen lassen: Seit Monaten möchte Bernd Voigt mit seinem Dorf- und Kulturverein einen Dorfladen im Gemeinschaftshaus eröffnen, die Aktivisten haben sogar Fördermittel dafür bekommen, um Waren des täglichen Bedarfs und regionale Produkte im Ort anbieten zu können. Doch nun kommen wieder die Bedenkenträger. Plötzlich müssen in einen Laden, der nur ein paar Stunden in der Woche im ehemaligen Friseursalon aufsperrt, hochtechnisierte Brandschutztüren verbaut werden. Doch aufgeben werden die Göttiner nicht, sie werden so lange im Rathaus drängeln, bis die Türen beschafft worden sind.
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Das ist diese Woche wichtig

Immobilien: Preissteigerung beim Hauskauf fällt moderat aus
Brandenburg an der Havel hat 2020 Einwohner verloren
30 Brandenburger beklagen Krach und Dreck in der Hauptstraße
Corona: Inzidenz bei 26,3
Hohenstücken: Ein Stadtteil im Wandel
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Wohin am Wochenende?

Die Lehniner Sommermusiken finden in der Klosterkirche statt.
Die Lehniner Sommermusiken finden in der Klosterkirche statt.
Im Rahmen der Lehniner Sommermusiken ist am Samstag ein besonderes Konzert in der Klosterkirche Lehnin zu erleben. Zwei Giganten der Kulturgeschichte werden dabei mittels der biblischen Geschichte „Joseph und seine Brüder“ vereint: Georg Friedrich Händel und Thomas Mann. Das Konzert wird am Samstag gleich zwei Mal – um 16 Uhr sowie um 18 Uhr – aufgeführt.
Das komplette Programm der Sommermusiken ist unter www.klosterkirche-lehnin.de zu finden. Der Eintritt für die Konzerte in der Klosterkirche kosten 15 Euro, ermäßigt zwölf Euro. Jugendliche zahlen fünf Euro, Kinder haben freien Eintritt. Tickets gibt es im Vorverkauf unter 030/80 90 80 70. 
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Bilderrätsel

Wo - und was - ist das? (Foto: Hesse)
Wo - und was - ist das? (Foto: Hesse)
Eine regelmäßige Rubrik in der Havelpost ist das MAZ-Bilderrätsel. Hier werden Aufnahmen von Gebäuden und Orten der Stadt gezeigt. Und Sie, liebe Leser, raten (oder wissen?), worum es sich handelt.
Wo in Brandenburg an der Havel ist dieses Foto aufgenommen worden? Wer es weiß, schreibt die Antwort bis Montag, 30. August, 12 Uhr, per Mail an brandenburg-stadt@maz-online.de. Alle korrekten Antworten kommen in einen Lostopf, aus dem wird der Gewinner gezogen. Diesen vermelden wir dann im nächsten Newsletter, der am 3. September in Ihr Postfach flattert. Der Preis ist eine historische Ansichtskarte aus Brandenburg an der Havel. Viel Erfolg!
Die Lösung des Rätsels aus der vergangenen Woche lautet: Das Dach des Hochhauses in Nord in der Brielower Straße. Aus den Einsendungen haben wir Martin Semmelmann aus Brandenburg als Gewinner ausgelost. Herzlichen Glückwunsch!
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Stephan Bodens Woche

Stephan Boden an seinem Schreibtisch. (Foto: privat)
Stephan Boden an seinem Schreibtisch. (Foto: privat)
Wie ist das Leben in Brandenburg an der Havel? Wir konnten den in Brandenburg an der Havel lebenden Autor Stephan Boden für eine wöchentliche Kolumne gewinnen, in der er seine Erlebnisse und Beobachtungen aus der Stadt - und darüber hinaus - humorvoll und pointiert schildert. Aktuell treibt ihn um: Warum ein Kolumnist schreiben kann was er will. Hier können Sie die aktuelle Folge von “Bodens Woche” nachlesen.
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