Profil anzeigen

Bleibt Brandt Beigeordneter? + + Halteverbote in der Steinstraße + + Hafermilch aus Ketzür

MAZ HavelpostMAZ Havelpost
Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
Hoch die Hände, Wochenende. Auch wenn der 1. Mai als Tag der Arbeit 2021 ziemlich blöd liegt.
Ich vermute, wirklich verwundert sind sie nicht: Am Mittwoch hat die Mehrheit der Stadtverordneten dafür gestimmt, dass nun noch ein vierter Beigeordneter ins Rathaus einziehen soll, obwohl ein ganzer Teil der Stadtverordneten – beispielhaft für mehrere seien hier mal Ralf Holzschuher (SPD) und Dietlind Tiemann (CDU) genannt – zuvor das Gegenteil versichert hatten. Wissen Sie, es hat schon etwas Groteskes. Eine ganze Reihe Stadtverordnete hatte bereits im Vorfeld unter der Hand der MAZ signalisiert, dass sie die Hand eigentlich gegen die eigene Überzeugung hebe. Zum einen weil man wisse, dass die vermeintliche Harmonie zwischen SPD, CDU und Freien Wählern doch nur gespielt ist und sich FW und CDU die Mehrheit auch mit der AfD sichern können (Wer das nicht glaubt, ist eingeladen, die Begrüßungsrituale der FW mit AfD-Stadtverordneten zu beobachten. So herzlich wie den Axel wird der Dirk die Britta oder den Ralf nie begrüßen).  
Und zum anderen: Weil sie sich dem einen oder der anderen verpflichtet fühlen. „Ich finde das doof, aber dem Daniel Keip ist das ganz wichtig“, sagt beispielsweise eine SPD-Stimme, die Mittwoch brav die Hand hob. Anderen Stadtverordneten – die nicht wollten, das aber für Dietlind oder Steffen machten - wurde signalisiert, ihre Herzensprojekte würden in der neuen Koalition prioritär behandelt, wenn sie jetzt gemeinsam die Prügel für die Selbstbedienungsaktion kassieren.
Aber: Was sind solche Versprechen wert? Wenig. Eine erste Ahnung konnte man Mittwoch bekommen, als die zuvor vereinbarte Lösung zur Verkehrsberuhigung der Altstadt auf dem Papier jetzt anders aussah als zuvor unter den Koalitionären abgesprochen. Da zeigten prompt die Freien Wähler, wie der Schwanz mit dem Hund wedelt und verließen die SVV. Einfach so. Wie weiland Klaus Windeck von der FDP. Nur ohne Türenknallen.
Ziemlich cool von den FW. So zeigt man, wer Koch und wer Kellner ist. Die neuen „Partner“ stimmten dann erst mal lieber nicht ab.
Nun braucht die Stadt also drei neue Beigeordnete. Daniel Keip soll für die SPD und Uwe Freimuth für die FW mit am Tisch des OB sitzen und die Stadtgeschicke lenken, wenn jetzt am Monatsende Wolfgang Erlebach (Linke) und im Sommer Michael Brandt (CDU) das Rathaus verlassen. Aber vielleicht geht ja Brandt auch gar nicht. Vor acht Jahren noch hielt Dietlind Tiemann eine Eloge auf ihn als Beigeordneten, die bei der CDU in diesem Jahr zumindest für die Kanzlerkandidatur gereicht hätte. Für Brandts Wiederwahl nahm und nährte die CDU die Linke an ihrer Brust. Dafür wurde die Havelstadt-CDU von der Landes-CDU verbal verkloppt. Das war jedoch Dietlind Tiemann egal – weil ja Michael Brandt mit den Stimmen der Linken an ihrer Seite blieb. Jetzt soll Brandt weg. Aber will er weg? 
Einzelnen Stadtverordneten verriet Brandt, dass er sich „selbstverständlich noch einmal zur Wahl stellen wird.“ Die neue Struktur, die CDU, FW und SPD ausgeknobelt haben, spräche ihn sehr an. „In die neue Stelle möchte ich meine Erfahrungen als Beigeordneter mit 16 Jahren im Amt genauso einbringen wie meine Erfahrungen aus meiner früheren anwaltlichen Tätigkeit.“ Er verfüge über die Befähigung zum höheren Verwaltungsdienst und zum Richteramt. Also Qualifikationen, die weder Scheller noch Keip oder Freimuth mit sich brächten. „Wegen der Vorabsprachen sehe ich nur Außenseiterchancen. Ich vertraue aber auf ein rechtsstaatliches Auswahlverfahren unter Berücksichtigung der hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums und der Bestenauslese“, lässt Brandt gegenüber ihm wohlgesonnenen Stadtverordneten wissen. 
Seien wir ehrlich, viel spricht nicht dafür, dass Steffen Scheller seinen Parteifreund noch einmal nominiert. Das Duo Infernale hat sich entfremdet. Allein: Es gibt einige Stadtverordnete, die Brandt viel schuldig sind. Nicht nur in der CDU. Wahrscheinlicher ist aber: Michael Brandt muss sich bewerben, weil er sonst keine Pension bekommt und wäre vermutlich erschrocken, wenn Scheller ihn nominiert. Aber warten wir mal ab.
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Newsletter-Lektüre und ein bisschen erhöhten Puls. Die nächste Ausgabe der Havelpost haben Sie am kommenden Freitag in Ihrem Mailpostfach. Wenn es Dinge gibt, von denen Sie glauben, sie sollten mal im Newsletter Erwähnung finden, dann schreiben Sie mir einfach unter Benno.Rougk@MAZ-online.de.
Herzliche Grüße,
Ihr
Benno Rougk
Redaktionsleiter
***
Leute Leute...

Es gibt sie, die kleinen Geschichten, die es normalerweise nicht in die Berichterstattung der MAZ schaffen. Hier schreiben wir sie dennoch auf, weil sie von den Menschen handeln, die in Brandenburg an der Havel leben.
Ben Edgar Lorenz
Ben Edgar Lorenz
Auf der Suche nach dem Waldkauz streift Ben Edgar Lorenz ​durch die Wälder bei Göttin. Mehrmals pro Woche steht er um 5 Uhr auf und zieht mit seiner Kamera los. „Ich arbeite momentan auch an Weitwinkelaufnahmen von Fuchswelpen“, sagt der 18-Jährige. In den letzten Monaten hat er Eisvögel, Waschbären und Wildschweine fotografiert. „Zuerst sind die Bilder auf Instagram zu sehen. Und in den nächsten Wochen startet meine Webseite, darauf können sich Fans freuen“, sagt der Brandenburger.
Walter Paaschen
Walter Paaschen
Als erfahrener Kommunalpolitiker weiß Walter Paaschen​, wann es darauf ankommt. Das war schon vor 16 Jahren so, als er sich trotz erheblicher Erkrankung in die SVV mühte, um an der Abwahl-Abstimmung gegen den seinerzeitigen SPD-Bürgermeister Norbert Langerwisch ​teilzunehmen. Mit dem heutigen Freien Wähler sitzt der Christdemokrat bald wieder als Bündnispartner in einem Boot. Zuvor musste er aber sichergehen, dass bei der Abstimmung am Mittwoch über die zusätzliche Beigeordnetenstelle nichts schief läuft. Das hat Paaschen geschafft. Der SVV-Vorsteher hat den Beschluss auf der Tagesordnung weiter nach hinten geschoben, um sicher zu sein, dass auch später kommende Stadtverordnete rechtzeitig im Saal sind. Denn es kam auf jede Stimme an. Oberbürgermeister Steffen Scheller ​(CDU) hat auch noch ein bisschen geholfen und eingangs und bei der Verabschiedung von Wolfgang Erlebach ​(Linke) vielleicht etwas länger geredet als notwendig. 
Steffen Dammann
Steffen Dammann
Dass es in Emstal Raser gibt, ist seit der Aufstellung einer Geschwindigkeitsmessanlage durch den Kloster Lehniner Ortsteil bekannt. Doch der dort gemessene Spitzenreiter mit 134 km/h wird leider in Michelsdorf locker überboten. Ortsvorsteher Steffen Dammann ​staunte nicht schlecht bei einer ersten Auswertung der Daten. Zwar hielt sich die Masse der Kraftfahrer in den ersten vier Monaten in der Ortsdurchfahrt an Tempo 50. Doch der absolute Ausreißer war ein Unbekannter, der mit 159 km/h in Michelsdorf unterwegs war. Und zwar ortsauswärts. Für Dammann ein klares Signal, dass der Landkreis öfter im Dorf blitzen und kassieren muss.
***
Das ist diese Woche in der Stadt wichtig

Fehlende Rettungswege: Halteverbote ab Freitag auch in der Steinstraße
Termine sind knapp – Hausärzte haben noch Impfstoff
Bündnis von CDU, SPD und Freien Wählern steht
Wassersaison startet: Polizei appelliert an Bootsführer
So demonstrieren Fridays for Future während der Pandemie
***
Bilderrätsel

Wo - und was - ist das? (Foto: Hesse)
Wo - und was - ist das? (Foto: Hesse)
Eine regelmäßige Rubrik in der Havelpost ist das MAZ-Bilderrätsel. Hier werden Aufnahmen von Gebäuden und Orten der Stadt gezeigt. Und Sie, liebe Leser, raten (oder wissen?), worum es sich handelt.
Wo in Brandenburg an der Havel ist dieses Foto aufgenommen worden? Wer es weiß, schreibt die Antwort bis Montag, 3. Mai, 12 Uhr, per Mail an brandenburg-stadt@maz-online.de. Alle korrekten Antworten kommen in einen Lostopf, aus dem wird der Gewinner gezogen. Diesen vermelden wir dann im nächsten Newsletter, der am 7. Mai in Ihr Postfach flattert. Der Preis ist eine historische Ansichtskarte aus Brandenburg an der Havel. Viel Erfolg!
Die Lösung des Rätsels aus der vergangenen Woche lautet: Ärztehaus West. Aus den Einsendungen haben wir Martin Machern aus Brandenburg an der Havel als Gewinner ausgelost. Herzlichen Glückwunsch!
***
Stephan Bodens Woche

Stephan Boden in seinem Büro. (Foto: privat)
Stephan Boden in seinem Büro. (Foto: privat)
Wie ist das Leben in Brandenburg an der Havel mit Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen des Lebens? Wir konnten den in Brandenburg an der Havel lebenden Autor Stephan Boden für eine wöchentliche Kolumne gewinnen, in der er seine Erlebnisse und Beobachtungen aus der Stadt - und darüber hinaus - humorvoll und pointiert schildert. Aktuell treibt ihn um: Warum Kritik nichts mit Meinungsfreiheit zu tun hat. Hier können Sie die aktuelle Folge von “Bodens Woche” nachlesen.
***
Besonders und lecker

Havelmi*** wird in Ketzür produziert. (Foto: Köpsell)
Havelmi*** wird in Ketzür produziert. (Foto: Köpsell)
Seit knapp einem Jahr produziert ein kleines Start-up in Ketzür Hafermilch. Und das so erfolgreich, dass Havelmi*** im Sommer in ein größeres Gebäude in die Brandenburger Altstadt ziehen will. Aber was ist eigentlich dran an dem Hype um die Hafermilch? Wir haben uns das mal angesehen.
Hat Ihnen diese Ausgabe gefallen?
Teilen Sie diesen Newsletter:
Wenn Sie diesen Newsletter nicht mehr empfangen wollen, können Sie ihn hier abbestellen.
Wenn Ihnen dieser Newsletter weitergeleitet wurde, können Sie ihn hier abonnieren.