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Hilfe für die Ukraine ++ In der Hölle ++ Durch das Nadelöhr

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Liebe Leserinnen, liebe Leser,
schön, dass Sie unsere Mail geöffnet haben und sich auf Ihren MAZ-Newsletter freuen, auch wenn uns in Europa gerade nicht sonderlich zum Freuen zumute ist. Und davon wird heute in der Havelpost die Rede sein. Natürlich steckt der Newsletter wieder voller Namen, Nachrichten und Tipps aus Brandenburg an der Havel und Umgebung.
Es ist schon seltsam, wie sich die Gewichtungen verlagern. Oder anders: Müssten wir nicht immer noch Masken tragen, würde uns Corona zurzeit nicht die Bohne interessieren. Angesichts der Bilder und Berichte aus der Ukraine ist das Virus zur schlimmsten Nebensache der Welt geworden.
Dass die Stadt Brandenburg deutscher Corona-Meister war und wenigstens zwei Tage den national höchsten Inzidenzwert vorzuweisen hatte, hätte uns vor einem Jahr in Angst und Schrecken versetzt. Bestimmt hätte es Steffen Scheller zu Anne Will und in andere Talkshows geschafft und wäre gefragt worden: “Wie machen Sie das da nur in Ihrem Brandenburg?” Oder: “An welcher Stelle ist Ihre Bevölkerung beim Aufpassen falsch abgebogen?” Oder: “Wann rufen Sie den Notstand aus und übergeben der Bundeswehr das Kommando?”
Das Elend, das sich nur wenige Autostunden von uns entfernt abspielt, bestimmt alles. Mal von den steigenden Preisen abgesehen, aber die hängen ja auch mit diesem verfluchten Krieg zusammen. Dass Kitas wieder schließen müssen und nicht wenige Betriebe nur mit geringer Besetzung arbeiten, weil Mitarbeitende positiv getestet hübsch zu Hause bleiben, juckt irgendwie kaum noch jemanden. Isso und fertig.
Aber ganz ehrlich: Es beruhigt mich irgendwie und versöhnt mich mit der Menschheit, jedenfalls der in dieser Region. Die allermeisten Menschen fühlen mit den Opfern dieses Krieges, in dem ein Autokrat seine Landeskinder verheizt und Nachbarskinder umbringen lässt.
Die Hilfsbereitschaft in und um Brandenburg wächst und wächst. In Radewege hat man gesammelt, aus Schmergow ging ein Transport nach Polen, das Kleiderursel-Team leitet Spenden weiter. Die Menschen sammeln, vermitteln, spenden. Gut, dass manche koordinieren und die Hilfe in geordnete Bahnen lenken.
Einige fahren an die polnisch-ukrainische Grenze, bringen Hilfsgüter und nehmen vor allem Frauen und ihre Kinder mit nach Brandenburg. Hier und da wagen es kühne Leute, in die Ukraine hineinzufahren, bis nach Odessa. Die Brandenburger Fuhre war in dieser Woche der erste Hilfstransport überhaupt, der Odessa erreicht hat. Nach Ankunft der zwei voll beladenen 40-Tonner wurden die medizinischen Hilfsgüter wie Verbandsmaterial, Medikamente für die Erstversorgung, Hygieneartikel wie Windeln und nicht verderbliche Lebensmittel in eine Sporthalle gebracht und gesichert.
In Brandenburg an der Havel füllen sich die Unterkünfte mit Menschen aus der Ukraine. Das Rote Kreuz in der Stadt zum Beispiel hat schnell reagiert und das Flüchtlingsheim in der Flämingstraße in Nord für ankommende Menschen hergerichtet. Dabei wird es natürlich nicht bleiben.
Mahnwache an der Friedenswarte, die in den Farben der Ukraine leuchtet (Foto: Hesse)
Mahnwache an der Friedenswarte, die in den Farben der Ukraine leuchtet (Foto: Hesse)
Bei Facebook tauchen ab und an Nörgelbacken auf, die sich über die Mahnwachen an der Friedenswarte beklagen. Zwei solcher Veranstaltungen gab es bislang, jeweils mit etwa 500 Kindern, Jugendlichen, Frauen und Männern, die auf diese Weise ihr “Nein zum Krieg” öffentlich gezeigt haben. Die eine Nörgelfraktion beklagt, dass solche Mahnwachen nicht einen Schuss vereiteln, kein frierendes Kind warm halten, keinen Hunger stillen. Natürlich nicht, aber weder Fußball noch Karneval oder Käsekuchen sichern den Weltfrieden und haben doch ihre Existenzberechtigung. Bei solchen Mahnwachen verbindet man sich mit anderen, zeigt Haltung und schmiedet Pläne für Hilfsprojekte.
Die zweite Nörgelfraktion habe ich besonders gern. Diese Leute nahmen ganz offensichtlich bei den Corona-Leugner-Impfgegner-Verwirrten-Aufzügen teil und mussten sich von der Mehrheit der Menschen fragen lassen, warum sie sich nicht einmal an die einfachsten Gepflogenheiten halten können: Demo anmelden und Maske aufsetzen. “Die tragen ja keine Masken, wo ist denn da die Polizei?”, jammern sie. Muss man das erklären? Muss man darauf eingehen? Muss man auch über dieses Stöckchen springen? Nö. Oder um eine der treffendsten Erwiderungen auf solche Facebook-Nörgler zu zitieren: “Mimimi”.
Nun bin ich doch wieder bei Corona gelandet. Manche Dinge hängen erst auf den zweiten Blick zusammen. Bleiben Sie also bitte weiter vorsichtig und bewahren Sie sich den Blick für das Wesentliche. Und geben Sie, was Sie geben können. Die kühnen Kraftfahrer können jeden Euro für Sprit gebrauchen.
Ihr Heiko Hesse
Haben Sie Fragen, Wünsche, Anregungen zu unserer Havelpost? Dann schreiben Sie mir unter heiko.hesse@maz-online.de.
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Leute Leute

Gennady Trukhanov (Foto: Stadt Odessa)
Gennady Trukhanov (Foto: Stadt Odessa)
Der Bürgermeister von Odessa, Gennady Trukhanov, ist dankbar für die Hilfe aus Brandenburg an der Havel. Unter der Überschrift: „Unterstützung von unseren Freunden! Ein humanitärer Konvoi aus Deutschland traf in Odessa ein“, zitiert der Telegram-Kanal der Stadt Odessa den Bürgermeister mit den Worten: „Das ist eine große Hilfe für unsere Stadt in Kriegszeiten. Und ich bin froh, dass unsere Freunde aus verschiedenen Teilen der Welt uns so rechtzeitig unterstützen.“ Trukhanov erwähnt Brandenburgs Oberbürgermeister Steffen Scheller, Klinikum-Chefin Gabriele Wolter, deren Sohn Marcus Wolter, der die Verbindung hergestellt hat und Ex-OB Dietlind Tiemann. Und natürlich das ganze Team, das den humanitären Konvoi organisiert hat. 
Bernd Voigt (Foto: Böhme)
Bernd Voigt (Foto: Böhme)
Tue Gutes und rede darüber! Das machen zurzeit ganz viele Menschen. Auch Göttins Ortsvorsteher Bernd Voigt begab sich am Montag ins vom DRK betriebene Flüchtlingsheim in der Flämingstraße. Im Gepäck hatte er Gutscheine im Gesamtwert von 470 Euro für den Einkauf in den Rossmann-Drogerien. Gestiftet hatten die Gutscheine der Dorf- und Kulturverein, die Tischlerei Ando und eine Privatperson. Die DRK-Leute hatten ihm versprochen, die Aktion zugunsten ukrainischer Flüchtlinge lobend öffentlich zu erwähnen, aber das ist in der ganzen derzeitigen Hektik wohl untergegangen.
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Das ist diese Woche wichtig

Die Turnhalle an der Max-Josef-Metzger-Straße (Foto: Schulze)
Die Turnhalle an der Max-Josef-Metzger-Straße (Foto: Schulze)
Hölle bleibt Hölle: Wenn sich die Recken des SV 63 gegen Handball-Kontrahenten werfen, brandet schon mal Höllenstimmung auf - heiß genug, um den Kessel von Teufels Großmutter anzuheizen. Gegenwärtig findet dort eine andere Hölle Raum. Das Land nutzt die Halle als Gerichtssaal im Prozess gegen einen mutmaßlichen Wächter des KZ Sachsenhausen. Und es findet an diesem Ort so viel Gefallen, dass es die Halle auch in Zukunft für große Gerichtsverfahren nutzen möchte. Da fällt es den Handballern natürlich schwer, ruhig am Kreis vor dem gegnerischen Tor stehen zu bleiben. Nun keimt Hoffnung auf. Die Stadt bringt das alte Kulturhaus “Anton Saefkow” ins Gespräch. Das böte großen Prozessen ebenfalls Platz.
Tim Freudenberg wird Leiter des Domcampus
Veränderte Verkehrsführung an Neustädtischer Fischerstraße
Einkaufszentrum am Tschirchdamm steht vor dem Aus
Auch der Aal wird teurer: Fischer müssen rechnen
Nachbar überrascht vom Container-Hort in der Hauptstraße
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Das ist im Umland los

Mit viel Fingerspitzengefühl (Foto: Bürstenbinder)
Mit viel Fingerspitzengefühl (Foto: Bürstenbinder)
Ob man das nun mit “Waaaaahnsinn!” kommentiert oder mit “mein lieber Scholli!” ist allein Ihre Sache. Fakt ist, dass mit Technik und unglaublichem Fingerspitzengefühl in Dretzen etwas Besonderes geleistet worden ist. Es galt, ein Windrad mit seinen Rotorblättern durch die engen Straßen des Dorfes am westlichen Rande von Potsdam-Mittelmark zu bugsieren. Wie das gelingen konnte, lesen Sie hier.
Russische Fernfahrer können in Brandenburg mit Hilfe rechnen
Laienschauspieler machen Theater
Tim Schiefer hat Hundeschule übernommen
Taxifahrten in Potsdam-Mittelmark werden teurer 
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Wohin am Wochenende?

Garantiert keine Industrieware (Foto: Preißler)
Garantiert keine Industrieware (Foto: Preißler)
Wer nicht mehr alle Tassen im Schrank hat, sollte nicht verzweifeln. In Görzke gibt es Nachschub. Das Dorf am Rande des Hohen Flämings lädt am Wochenende zum Tag der Offenen Töpferei ein. Man kann schauen, staunen und den Schrank wieder auffüllen.
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Bilderrätsel

Wo ist das? (Foto: Hesse)
Wo ist das? (Foto: Hesse)
In jeder neuen Havelpost steckt ein neues MAZ-Bilderrätsel. Hier werden Aufnahmen von Gebäuden und Orten der Stadt gezeigt. Und Sie, liebe Leser, raten (oder wissen?), worum es sich handelt.
Wo in Brandenburg an der Havel ist dieses Foto aufgenommen worden? Wer es weiß, schreibt die Antwort bis Montag, 14. März, 12 Uhr, per Mail an brandenburg-stadt@maz-online.de. Alle korrekten Antworten kommen in einen Lostopf, aus dem wird der Gewinner gezogen. Diesen vermelden wir im nächsten Newsletter, der am 18. März in Ihr Postfach flattert. Der Preis ist eine historische Ansichtskarte aus Brandenburg an der Havel. Viel Erfolg!
In der vergangenen Woche suchten wir den Fontaneklub in der Ritterstraße, und zwar von der Rückseite aus gesehen. Alle Einsendungen lagen mit “Stadtverwaltung Nicolaiplatz” daneben. Deshalb gibt es in dieser Woche keinen Gewinner. Viel Erfolg in der nächsten Runde.
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Stephan Bodens Woche

Stephan Boden (Foto: privat)
Stephan Boden (Foto: privat)
In dieser Woche übertrumpften sich die Leute bei Facebook mit immer schlimmeren Tankstellenfotos. Während die einen darüber jammern und polnische Verhältnisse fordern, wo die Spritsteuern drastisch gesenkt worden sind, denken andere in eine ganz andere Richtung. Zu denen gehört MAZ-Kolumnist Stephan Boden. Er hat ein paar Kniffe parat, wie man mit den steigenden Spritpreisen umgehen kann. Schwarztanken gehört nicht dazu, aber lesen Sie selbst.
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Der Blick in die Heimatgeschichte

Brandenburg an der Havel im Jahr 1730
Brandenburg an der Havel im Jahr 1730
Dass Kirchen herausragende Bauwerke sind, wissen wir. Aber die Darstellung der Stadt von 1730 mutet dann doch etwas merkwürdig an - es ragen nur noch die Sehenswürdigkeiten heraus. Schauen Sie sich mal den Marienberg am linken Bildrand etwas genauer an. Die Dinger unterhalb der Marienkirche, deren Abriss der Soldatenkönig 1722, also acht Jahr vor dieser Karte, befohlen hatte, sind keine kümmerlichen Sträucher. Hier hat man den Weinbau dargestellt. Viel Spaß beim Entdecken.
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