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Neuer Intendant fürs Theater ++ Afghanistan und das Ahrtal ++ Konzerte auf dem Marienberg

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Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
schön, dass Sie meine Mail geöffnet haben und sich auf Ihren und unseren Freitags-MAZ-Newsletter aus dem Herzen der Stadt Brandenburg freuen, die Havelpost
Was hat Sie bewegt in dieser Woche? Sind Sie auch nicht an den Bildern aus Afghanistan vorbeigekommen, die uns das Scheitern der Innen- und Außenpolitik unseres Landes, aber auch der EU und der Nato so dramatisch vor Augen geführt haben? Da kollabiert innerhalb von Stunden ein Staatsgebilde, für das 20 Jahre lang Tausende deutsche Soldaten gekämpft haben, in das Milliarden geflossen sind und für das auch Politik und Gesellschaft eingestanden haben. Das Thema wird uns noch lange begleiten. Schmerzlich, wie ich glaube.   
Wie schnell sich die Welt dreht und wie sehr doch alles mit allem zusammenhängt, beweist die wunderbare Reportage meines Kollegen André Wirsing. Er war für einige Tage im Katastrophengebiet an der Ahr und hat den Brandenburger Oberstleutnant Robert Thiele begleitet, der dort das Havelberger Pionier-Bataillon führt. 
Thiele war auch schon in Afghanistan. Die Bilder von der Ahr und die Geschichte lassen mich ratlos zurück: Dort hat vor vier Wochen eine der schlimmsten Naturkatastrophen stattgefunden, an die sich Deutsche erinnern können. Viele sind mit nichts als dem nackten Leben davongekommen. Viele arbeiten seit Wochen Tag und Nacht, um die Not zu lindern. Viele sind voll Zorn, verfluchen Gott, die Welt und die Politik. Was erstaunt, ist, dass trotz der vielen Toten, der Dutzenden Milliarden, die der Wiederaufbau kosten wird und der Gewissheit, dass viele Probleme noch nicht einmal benannt – geschweige denn geklärt - sind, im Gedächtnis und dem Bewusstsein der Menschen (außerhalb des Katastrophengebietes) und in den Medien fast wieder zur Tagesordnung übergegangen wurde. Als wollte man das nahe Elend gar nicht sehen. Dabei wird uns auch dieses Thema noch lange begleiten.   
Wie banal nehmen sich angesichts der Katastrophen im Ahrtal oder in Afghanistan die Probleme aus, die die Havelstadt Brandenburg bewegen. Natürlich hat Brandenburgs Bundestagsabgeordnete Dietlind Tiemann (CDU) recht, wenn sie fordert, die Stadt müsse endlich wieder aus dem Mittelmaß an die Spitze der Städte und Landkreise im Bundeland streben. 
Doch würde man da auch gern sehen, welchen Anteil sie als Bundestagsabgeordnete dafür in die Waagschale wirft. Sich mit dem Bundesamt für Auswärtige Angelegenheiten zu schmücken oder millionenschweren Bundesmitteln für Rathenower Kirchen, ist womöglich nur so mittelfair, wenn man den Löwenanteil unerwähnt lässt, den andere genau dafür geleistet haben.  
Was sind die großen Dinge, die Big Points, mit denen die Stadt und die Region in Zukunft punkten kann? Was fehlt ist eine Idee, ein Projekt, eine Vision, hinter der sich Politik und Bürger – egal aus welchen Lagern oder Milieus sie kommen – versammeln können. Was ist übrig von der Aufbruchstimmung und dem Mut, der mit der Bundesgartenschau einherging, die nun auch schon sechs Jahre her ist?  
Derzeit dreht sich (trotz oder wegen Corona?) vieles nur um sich selbst, scheint wenig zu gelingen. Der neue Schulcampus? Realisierung und Standort unklar. Das neue Museum? Dito. Der Packhof? Der Neustädtische Markt? Parkhäuser? Grundstückserschließungen? Neue Beigeordnete? Fragen über Fragen und ausnahmslos offene Baustellen. Alles Themen, die uns noch lange begleiten.  
Ein Thema könnte sich nun nach Endlosstreit zum Guten wenden. Mit Alexander Busche ist ein neuer Intendant für das Brandenburger Theater gefunden. Für den Job des Disponenten, auf den sich der Kulturmanager im Vorjahr bewarb, fand Busche nicht die Unterstützung der Theaterleitung. Jetzt genügte er einer Findungskommission plötzlich sogar für den Top-Job an der Theaterspitze. Machen wir uns nichts vor: Der Mann ist zum Erfolg verdammt. Es gibt kein Theater im Bundesland, das einen angeschlageneren Ruf hat.
Der unsägliche Umgang mit dem ehemaligen Chefdirigenten Peter Gülke sorgt noch heute zwischen Hamburg, Berlin und München für Stürme des Protestes und der Wut. Wenn sich das noch einmal ändern soll, wird Busche viel Kraft und Unterstützung brauchen. Und neue Leute an seiner Seite. Es sieht so aus, als hätten das Orchester und der designierte Chefdirigent Olivier Tardy erkannt, dass nur sie als einziges festes Ensemble es sein können, die Brücken bauen und Busche den Rücken stärken. Sein Erfolg wäre auch der ihre. Die Politik wäre gut beraten, dem neuen Mann auch Unterstützung an die Seite zu stellen.
Beispielsweise in Form eines Dramaturgen und eines Assistenten, den er als Vertrauten mit ans Theater bringen darf. Das ist durchaus üblich. Wenn auch nicht in Brandenburg. Überraschend hat jetzt der Orchesterdirektor Christoph Kulb zum nächsten Monat das Handtuch geworfen. Kulb und das Orchester schienen bisher keine gemeinsame Sprache gefunden zu haben – auch und weil (womöglich unbegründet) er als Sprachrohr und Zuträger der Geschäftsführerin galt, die ihn ohne Rücksprache mit dem Orchester installiert hatte. An dieser Stelle einen Neustart zu wagen, wird dem Intendanten und dem Chefdirigenten gleichermaßen helfen.   
Sie sehen, liebe Leser, es war doch was los in dieser Woche. Bleiben Sie uns gewogen und schreiben Sie mir, wenn Sie Tipps oder Anregungen haben, wie Ihre Havelpost noch besser werden kann: benno.rougk@maz-online.de.
Ich wünsche Ihnen und mir ein schönes Wochenende!
Ihr Benno Rougk
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Leute Leute...

Es gibt sie, die kleinen Geschichten, die es normalerweise nicht in die Berichterstattung der MAZ schaffen. Hier schreiben wir sie dennoch auf, weil sie von den Menschen handeln, die in Brandenburg an der Havel und drumherum leben.
Martin Herz (Foto: privat)
Martin Herz (Foto: privat)
Seine Bilder sind für Martin Herz eine Abwechslung zum Alltag. Der 36-Jährige fotografiert und zeigt Brandenburgern auf der Instagram-Seite „Stones and Leaves“ die Natur, Wälder und Städte dieser Welt. Wenn er nicht in Europa unterwegs ist, zieht es ihn immer wieder in seine Heimatstadt Brandenburg an der Havel. Weil er Geheimnisse mag, zeigt Martin Herz bei den Creative Days im Industriemuseum zwar einen seiner Lieblingsorte, lässt aber offen, wo das Bild entstanden ist. „Jeder sollte sich das Motiv genau ansehen. Ich werde nichts verraten, freue mich aber zu erfahren, welche Lieblingsorte die Brandenburger haben“, sagt er.
Martina Breyer und Lutz Raschke (Foto: Bürstenbinder)
Martina Breyer und Lutz Raschke (Foto: Bürstenbinder)
Es gibt nicht viele Häuser in Krahne mit Balkon. Schon gar nicht so alte Gebäude wie das ehemalige Gutshaus. Die Besitzer Martina Breyer und Lutz Raschke haben sich getraut. Im Rahmen einer aufwendigen Sanierung schmückten sie die backsteinerne Südfassade mit einem gemauerten Freisitz. Dieser wurde so perfekt in den historischen Bestand integriert, als hätte es ihn schon immer gegeben. Freuen dürfen sich über den Balkon die künftigen Mieter, die einmal in die Wohnung im Obergeschoss einziehen sollen.
Cornelia Roloff (Foto: Böhme)
Cornelia Roloff (Foto: Böhme)
Stadt am Fluss, Stadt im Fluss, Havelstadt, Wiege der Mark, es gibt viele Bezeichnungen für Brandenburg an der Havel. Cornelia Roloff, Geschäftsstellenleiterin bei von Poll Immobilien in der Steinstraße, kennt eine weitere. In einer Veröffentlichung ihres Unternehmens schwärmt sie, dass Brandenburg an der Havel „liebevoll auch Klein-Venedig genannt wird“. Das haben wir, ehrlich gesagt, noch nicht gehört, nicht einmal von Dietlind Tiemann, der stets Lobgesänge auf ihre Heimatstadt einfallen. Der Vergleich mit Venedig klingt gut, nur das „Klein“ davor stört ein wenig.
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Das ist diese Woche wichtig

Autofahrer aufgepasst: Diese KFZ-Kennzeichen sind verboten
Diskussion um touristische Nutzung in Wendgräben geht weiter
Warum eine Dampframme zum Denkmal des Monats wird
Corona in Brandenburg an der Havel: Inzidenz steigt auf 11,1
Neue Initiative will Menschen in Brandenburg politisch bewegen
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Das ist im Umland los

Nach Corona-Fällen: 306 Schüler der Grundschule Brück in Quarantäne
300 Arbeitsplätze: Investor möchte Reha-Klinik in Bad Belzig bauen
Neue Zeugen sollen Stadtverordneten im Rettungswagenprozess entlasten
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Wohin am Wochenende?

Alexander Knappe (Foto: dpa)
Alexander Knappe (Foto: dpa)
Nachdem in der Vorwoche mit Anna Loos und Julia Engelmann auf der Freilichtbühne bereits ordentlich aufgefahren wurde, steht nun das zweite Wochenende des Brandenburger Kultursommers an.
Auf der Bühne stehen Frank Schöbel, Alexander Knappe und die Brandenburger Symphoniker.
Das Konzert mit Frank Schöbel mit anschließender Filmvorführung beginnt am Freitag um 19 Uhr. Alexander Knappe steht am Samstag ebenfalls um 19 Uhr auf der Freilichtbühne, die Brandenburger Symphoniker folgen am Sonntag, 19 Uhr. Tickets und weitere Infos gibt es hier.
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Bilderrätsel

Wo - und was - ist das? (Foto: Hesse)
Wo - und was - ist das? (Foto: Hesse)
Eine regelmäßige Rubrik in der Havelpost ist das MAZ-Bilderrätsel. Hier werden Aufnahmen von Gebäuden und Orten der Stadt gezeigt. Und Sie, liebe Leser, raten (oder wissen?), worum es sich handelt.
Wo in Brandenburg an der Havel ist dieses Foto aufgenommen worden? Wer es weiß, schreibt die Antwort bis Montag, 23. August, 12 Uhr, per Mail an brandenburg-stadt@maz-online.de. Alle korrekten Antworten kommen in einen Lostopf, aus dem wird der Gewinner gezogen. Diesen vermelden wir dann im nächsten Newsletter, der am 27. August in Ihr Postfach flattert. Der Preis ist eine historische Ansichtskarte aus Brandenburg an der Havel. Viel Erfolg!
Die Lösung des Rätsels aus der vergangenen Woche lautet: Zu sehen sind Fenster des Marienkrankenhauses in der Bergstraße. Aus den Einsendungen haben wir Helga Meyer aus Brandenburg als Gewinnerin ausgelost. Herzlichen Glückwunsch!
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Stephan Bodens Woche

Stephan Boden an seinem Schreibtisch. (Foto: privat)
Stephan Boden an seinem Schreibtisch. (Foto: privat)
Wie ist das Leben in Brandenburg an der Havel? Wir konnten den in Brandenburg an der Havel lebenden Autor Stephan Boden für eine wöchentliche Kolumne gewinnen, in der er seine Erlebnisse und Beobachtungen aus der Stadt - und darüber hinaus - humorvoll und pointiert schildert. Aktuell treibt ihn um: Warum Staus ein Spiegelbild der Gesellschaft sind. Hier können Sie die aktuelle Folge von “Bodens Woche” nachlesen.
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