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Platzt die Rathaus-Koalition? + + Stadt erwacht aus dem Corona-Schlaf + + Mehr Wölfe

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Guten Tag, liebe Leserinnen und Leser,
erzählen Sie nie wieder, liebe Leser, die Damen und Herren der MAZ würden Enten produzieren. Vor einer Woche versprach ich Ihnen: Heldenwetter ab Samstagabend! Und? Ein Traum! Sonne satt, Läden und Herzen öffnen - viele sind geimpft und Corona verliert die Schreckfratze. Nicht alles ist perfekt: Durch den Freitag müssen wir noch durch, doch das schaffen wir mit der Havelpost, dem MAZ-Newsletter, der Sie auf Touren bringt. Dann heißt es wieder: Hoch die Hände – Wochenende! Ab ins nächste Hotel, auch wenn da nur noch Besenkammern frei sind.
Sie haben es gehört: Das Triumvirat der drei Kandidaten, die künftig neben dem Oberbürgermeister Steffen Scheller (CDU) und seinem Vize Michael Müller (parteilos) die Geschicke der Stadt lenken soll (oho, alles Männer!), ist komplett. Kurz vor Ablauf des Bewerbungszeitraums enthüllte die MAZ, der Vize-Landrat des Jerichower Lands, Thomas Barz, soll Kandidat der CDU werden. Barz, der in Sachsen-Anhalt einen guten Ruf besitzt, hat bestätigt, dass es Gespräche mit der CDU seit längerer Zeit gab und er es als Ehre sehe, wenn er für seine Heimatstadt Brandenburg als Finanzbeigeordneter tätig werden dürfe. Darf er? 
Wird sich zeigen. Ebenso, wie sich zeigen wird, ob nicht ausgerechnet diese Personalie zur Explosion führt. Zum Bruch der noch jungen Koalition aus CDU, Freien Wählern und SPD. 
Ein Stück zurück: Die SPD ließ sich auf ein Bündnis mit ihren vormals schlimmsten Widersachern Dietlind Tiemann (CDU) und Dirk Stieger (FW) ein. Dafür versprach man ihnen einen Beigeordnetenposten, den sie mit Daniel Keip (SPD-Vorsitzender) besetzen wollte. Keip wollte die Finanzen der Stadt. Die FW als „Partner Drei“ schickten den Sportler und Pädagogen Uwe Freymuth als ihren Kandidaten in die Spur. Er wollte Sport und Bildung. Freymuth hatte zwar bisher nichts mit den Freien Wählern am Hut. Aber er kannte Norbert Langerwisch und der erfolgreiche Sportler und Sportmanager wollte seine Karriere beenden, wo sie begann: in Brandenburg. 
Das Problem: In Städten mit mehr als 40.000 Einwohnern muss mindestens ein Beigeordneter zum höheren Verwaltungsdienst oder zum Richteramt befähigt sein. Liest man die Kommentare zur Kommunalverfassung vom Brandenburger Staatssekretär Markus Grünewald, sprach bisher wenig dafür, dass Keip oder Freymuth die Voraussetzungen dafür erfüllen. Also zeigte sich die CDU gönnerhaft. Man werde das Problem der mäßig qualifizierten Kandidaten von SPD und FW mit einem eigenen Kandidaten heilen, ließ CDU-Chefin Tiemann sinngemäß in der Koalitionsrunde wissen und brachte vor Monaten überraschend einen vierten Beigeordneten ins Spiel: für Finanzen, mit CDU-Parteibuch und mit entsprechender Qualifikation. Die SPD schluckte auch diese Kröte, obwohl sie zuvor erklärt hatte: Ein vierter Beigeordneter sei mit ihr nicht machbar. Wer der Auserwählte sein solle, verriet Tiemann wochenlang nicht. Erst 48 Stunden vor Ablauf der Bewerbungsfrist kam die Bestätigung von und für Thomas Barz. 
Der ist ein Profi. Ohne Zweifel. Aber mit einem Grundstudium in BWL und einer Ausbildung zum Diplom-Rechtspfleger genügt er zumindest nicht den im Kommentar zur Kommunalverfassung definierten Anforderungen. Seit Tagen nun ist, so heißt es, Oberbürgermeister Scheller in direktem Kontakt mit der renommierten Kanzlei von Matthias Dombert aus Potsdam, die prüfen soll, ob und wenn ja welcher Kandidat die nötigen Voraussetzungen für ein Richteramt erfüllt. Und jetzt, nun halten Sie sich fest, heißt es bei den Freien Wählern: Wenn ein Kandidat die Anforderungen erfüllt, dann ja wohl Uwe Freymuth mit einem Pädagogik- und Sportabschluss aus DDR-Zeiten. Ob das stimmt? Keine Ahnung. Schriftlich gibt es wohl noch nichts. Aber dann würde man doch keinen vierten CDU-Beigeordneten brauchen, der auch nicht die geforderte Qualifikation haben soll. 
Nun schauen Rathaus und Politik gebannt auf Scheller und Tiemann. Augenscheinlich sind die Ausschreibungen ohne nennenswerte Beteiligung des Rechtsamts der Stadt gelaufen und auch die Auswahl der Beigeordneten-Kandidaten aus dem Bewerberfeld wird nach MAZ-Informationen nicht vom städtischen Rechtsamt begleitet. Die Sozis fühlen sich, wie ein Führungsmitglied glaubhaft versichert, „schlicht verarscht!“ Böses Wort! 
Es ist nicht so, dass es nicht genug Bewerber geben würde, die die drei mit gut 8000 Euro dotierten Beamten-Jobs gern hätten. Für das von Keip anvisierte Ressort liegen 14 Bewerbungen vor, das von Freymuth favorisierte Ressort wollen elf Bewerber haben, fünf haben sich um den Finanzposten beworben. Wäre nur ein Volljurist unter all den Bewerbungen, darf man ziemlich sicher davon ausgehen, dass das Auswahlverfahren angegriffen wird. Von einem unterlegenen Konkurrenten, der die Eignung mitbrächte. Natürlich obliegt Scheller das alleinige Vorschlagsrecht. Doch das Auswahlverfahren, in das der Vorschlag mündet, muss fehlerfrei sein. Wie unantastbar kann das sein, wenn von den 30 Bewerbungen drei schon vorab als Favoriten gehandelt werden und augenscheinlich nicht die besten Voraussetzungen dafür mitbringen, dass die Verwaltung, wie Grünewald scheibt, durch „die Anhebung der Qualifikationsanforderungen für Beigeordnete“ dazu beiträgt, dass die „Verwaltung in die Lage versetzt wird, Vorlagen regelmäßig noch rechtssicherer zu überprüfen?“ 
Mittwochabend soll sich der engste Führungskreis der SPD versammelt und festgelegt haben: Präsentieren Scheller und die CDU nicht umgehend einen Kandidaten, der alle Voraussetzungen für das Amt erfüllt, platzt die Koalition. Was ihre Absprache wert ist, werden die kommenden Tage zeigen. Ironie der Geschichte: Für alle drei Stellen sollen Bewerbungen des CDU-Beigeordneten Michael Brandt vorliegen - Volljurist und seit 16 Jahren Beigeordneter der Stadt. Dem hatte Scheller aber bereits im Frühjahr mitgeteilt, dass er ihn nicht vorschlagen wird. Eine kleine Reihe von Juristen, denen die MAZ den schwierigen Sachverhalt schilderte, kam ausnahmslos zum Schluss: Das Verfahren platzt! Dann geht alles wieder auf Anfang und dann werden Schuldige gesucht. Was passiert, erfahren Sie in Ihrer MAZ oder in der Havelpost. 
Bevor Sie sich jetzt aufregen: Ich habe noch etwas Nettes für Sie. Brandenburgs Kulturministerin Manja Schüle (SPD) freute sich (wie ich) jetzt in einem Interview, dass „ich mit 499 anderen zusammen und draußen jetzt wieder Kultur erleben kann.“ Und was macht das Brandenburger Theater? Das lässt die Öffentlichkeit wissen, es sei von den Öffnungen „etwas überrumpelt“ worden. Ach was? Und deshalb gibt es jetzt ein Theaterstück - Trommelwirbel, Tusch und Scheinwerfer - „das die Zuschauer ausschließlich digital besuchen können“. Am 12. Juni hat das Dokumentartheaterstück „Welcome to Happyland“ im Netz Premiere. Manchmal “brauchen gute Dinge Zeit“, schreibt Theatersprecher Steffan Drotleff. Das sehen die Ministerin und ungezählte Brandenburger ganz sicher ebenso: Endlich wieder Zoom!
Ich wünsche Ihnen viel Spaß bei der Lektüre. Die nächste Ausgabe der Havelpost haben Sie am kommenden Freitag in Ihrem Mail-Postfach. Wenn es Dinge gibt, von denen Sie glauben, sie sollten mal im Newsletter Erwähnung finden, dann schreiben Sie mir einfach unter Benno.Rougk@MAZ-online.de.
Herzliche Grüße,
Ihr
Benno Rougk
Redaktionsleiter
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Leute Leute...

Es gibt sie, die kleinen Geschichten, die es normalerweise nicht in die Berichterstattung der MAZ schaffen. Hier schreiben wir sie dennoch auf, weil sie von den Menschen handeln, die in Brandenburg an der Havel und drumherum leben.
Bernd Jansen (Foto: Böhme)
Bernd Jansen (Foto: Böhme)
Der Projektentwickler und Liebhaber PS-starker Autos Bernd Jansen ​hat es auch nicht immer leicht. Jüngst war er auf Ausflug in Italien, nun hat er gleich zwei Mal unangenehme Post von der Stadt Verona erhalten. Er sei beim ersten Mal statt erlaubter 70 Stundenkilometer exakt 71,5 km/h gefahren. Macht 63 Euro. „Bei der Rückfahrt ist mir meine ,Raserei’ noch einmal auf die Füße gefallen, Tempo 72,2 - macht nochmal 63 Euro“, berichtet Jansen. Nun will er gegen die Bescheide Rechtsmittel einlegen, scheinbar hätten die Italiener noch nichts von Toleranzgrenzen oder Kulanz gehört. „So genau kann niemand auf den Tacho schauen“, beklagt er. Nun ja, wenn sein Gerät erst ab Tempo 100 anzeigt…
Michael Brandt (Foto: Steiner)
Michael Brandt (Foto: Steiner)
Der Beigeordnete Michael Brandt ​(CDU) meistert unangenehme Situationen gerne mal mit Humor. Am Dienstagabend war der scheidende Rathausmann auf Abschiedstour in „seinem“ Ausschuss für Recht, Sicherheit, Umwelt und Petitionen. Dort wurde er von SPD-Mann Carsten Eichmüller ​gefragt, ob man sich mal wiedersehe. „Aber klar. Ich habe mich doch schon dreimal auf die neuen Posten beworben“, entgegnete Brandt. Ob’s was hilft? Auf jeden Fall sichert es Pensionsansprüche.
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Das ist diese Woche in der Stadt wichtig

Außen oder innen: So machen es die Restaurants in Brandenburg an der Havel
Brandenburg an der Havel erwacht aus dem Corona-Schlaf
B 102 in Richtung Rathenow wieder befahrbar
Wolfspopulation wächst
Rehkitz-Retter: Tolle Helfer bewahren Bambi vor dem Tod
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Bilderrätsel

Wo - und was - ist das? (Foto: Hesse)
Wo - und was - ist das? (Foto: Hesse)
Eine regelmäßige Rubrik in der Havelpost ist das MAZ-Bilderrätsel. Hier werden Aufnahmen von Gebäuden und Orten der Stadt gezeigt. Und Sie, liebe Leser, raten (oder wissen?), worum es sich handelt.
Wo in Brandenburg an der Havel ist dieses Foto aufgenommen worden? Wer es weiß, schreibt die Antwort bis Montag, 7. Juni, 12 Uhr, per Mail an brandenburg-stadt@maz-online.de. Alle korrekten Antworten kommen in einen Lostopf, aus dem wird der Gewinner gezogen. Diesen vermelden wir dann im nächsten Newsletter, der am 11. Juni in Ihr Postfach flattert. Der Preis ist eine historische Ansichtskarte aus Brandenburg an der Havel. Viel Erfolg!
Die Lösung des Rätsels aus der vergangenen Woche lautet: die Klosterstube in der Klosterstraße. Aus den Einsendungen haben wir Silvia Multhaupt aus Brandenburg als Gewinnerin ausgelost. Herzlichen Glückwunsch!
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Stephan Bodens Woche

Stephan Boden an seinem Schreibtisch. (Foto: privat)
Stephan Boden an seinem Schreibtisch. (Foto: privat)
Wie ist das Leben in Brandenburg an der Havel mit Corona und den damit einhergehenden Einschränkungen des Lebens? Wir konnten den in Brandenburg an der Havel lebenden Autor Stephan Boden für eine wöchentliche Kolumne gewinnen, in der er seine Erlebnisse und Beobachtungen aus der Stadt - und darüber hinaus - humorvoll und pointiert schildert. Aktuell treibt ihn um: Warum das Leben in einem Kleingarten so idyllisch sein kann. Hier können Sie die aktuelle Folge von “Bodens Woche” nachlesen.
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