Tiemann: Comeback als OB? ++ Blasig geht ++ Autofreier Marktplatz

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Hallo liebe Leserinnen und Leser,
schön, dass Sie unsere Mail geöffnet haben und sich auf Ihren Freitags-MAZ-Newsletter freuen. Die Havelpost steckt wieder einmal voller Namen, Nachrichten und Tipps aus Brandenburg an der Havel und Umgebung.
Fanden Sie es auch bemerkenswert, wie sportlich Dietlind Tiemann ihre krachende Niederlage am vergangenen Sonntag gegen die SPD-Kandidatin Sonja Eichwede nahm, zumindest nach außen hin? Immerhin wird sich die 66-Jährige vor wenigen Wochen noch relativ sicher gewesen sein, die Menschen im Wahlkreis 60 auch in den nächsten vier Jahren im Bundestag zu vertreten.
Auch ich habe an dieser Stelle noch Ende Juli geschrieben, dass sie eigentlich gar nicht verlieren kann. Nun ja, Satz mit x. Denn gegen den historisch negativen Trend der Bundes-CDU half auch das im Vergleich zu den anderen Kandidatinnen und Kandidaten mit Abstand größte Wahlkampf-Budget letztlich nicht.
Und was jetzt? Tiemann, 1955 in Genthin geboren, wird in den letzten Tagen ganz sicher nicht freudig zum Jürgens-Klassiker “Mit 66 Jahren” durchs heimische Wohnzimmer getanzt sein. Zu gern hätte sie noch eine Legislatur in Berlin drangehängt. Aber es gibt ja auch in der Heimat viel zu tun. Schon am Montag kündigte das ehemalige Stadtoberhaupt der MAZ an, sich nun wieder auf die Kommunalpolitik konzentrieren zu wollen. SVV-Mitglied war, ist und bleibt sie ja. Das war übrigens am Mittwoch im erstmals angebotenen Livestream auch am heimischen PC zu beobachten, den die Linken vor mehr als vier Jahren (!) erstmals beantragt hatten und der hier on-Demand abrufbar ist. Knapp 1200 Menschen haben sich das viereinhalbstündige “Spektakel” bisher gegeben.
Tiemanns Ankündigung, nun wieder stärker in der Havelstadt mitmischen zu wollen, klang indes mutmaßlich für den einen oder anderen in der Lokalpolitik wie eine Drohung. Zugleich wirft sie aber eine Frage auf: Startet die Politikerin etwa einen Comeback-Versuch für das OB-Amt? Immerhin rumort es in der Stadtpolitik, geht nichts so recht voran und werden sogar Stimmen laut, die die derzeitige Spitze um Tiemanns Nachfolger Steffen Scheller (auch CDU) absägen wollen.
Völlig abwegig ist der Gedanke an eine Rückkehr Tiemanns auf den Rathaus-Thron jedenfalls nicht, wie ein Blick in die Brandenburger Kommunalverfassung zeigt. Die sagt zwar, dass sich nur ein jeder Wahlberechtigter im Alter von 18 bis 62 Jahren in ein kommunales Wahlamt - OB, Landrat oder Amtsdirektor - wählen lassen kann. Für Tiemann würde die Altersgrenze allerdings nicht gelten - denn wer schon mal Hauptverwaltungsbeamte(-r) war, darf sich theoretisch auch mit 85 oder 100 Lenzen ein zweites (oder drittes, viertes…) Mal ins Amt wählen lassen. Das war bis 2016 noch anders - da war mit 70 ohne Wenn und Aber Feierabend.
Nun ist das alles Fischen im Trüben und eine große Portion Spekulatius. Immerhin hat Scheller noch knappe fünf Jahre im Amt vor sich. Doch wer weiß schon, was morgen passiert? Dass Tiemann die Wahl so deutlich verliert, war ja vor kurzem auch noch undenkbar.
Haben Sie Fragen, Wünsche, Anregungen zu unserer Havelpost? Dann schreiben Sie mir unter philip.rissling@maz-online.de.
Ich wünsche Ihnen und mir ein schönes Wochenende, frei von jeglichen Konjunktiven!
Ihr Philip Rißling
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Leute Leute...

Matthias Osterburg in Chemnitz (Foto: privat)
Matthias Osterburg in Chemnitz (Foto: privat)
Kennt eigentlich noch jemand die große deutsche Stadt mit den drei Ös? Körl-Mörx-Stödt. Matthias Osterburg, hauptberuflich Vorstand der Wohnungsbaugenossenschaft Brandenburg und in seiner Freizeit politisch bei den Linken aktiv, war jetzt dort. „Dienstlich in Karl-Marx-Stadt Chemnitz“, postete Osterburg am Mittwoch bei Facebook. In einer freien Minute schaute er beim zeitweiligen Namensgeber der Stadt vorbei, dem „Nischel“, wie er schrieb. Den was? „Mit dem Wort Nischel oder auch Däähds bezeichnen wir Sachsen einen Kopf, meistens den von Menschen", heißt es bei “Sächsisch für Anfänger”. Weiter: “Den mit Abstand größten Nischel findest du übrigens in Chemnitz: Das Karl-Marx-Monument ist eine 7,1 Meter (mit Sockel über 13 Meter) hohe, circa 40 Tonnen schwere Plastik und die zweitgrößte Porträtbüste der Welt.“ Größer ist nur Marx’ politischer Ziehsohn Lenin mit einem 7,70 Meter hohen und 42 Tonnen schweren Däähds im russischen Ulan Ude. Ende der Bildungseinheit.
Blumen für Katharina Bergholz. (Foto: Stadtverwaltung)
Blumen für Katharina Bergholz. (Foto: Stadtverwaltung)
Dass sich die Stadtverordnete Claudia Sprengel (Linke) in der Sitzung erhob und applaudierte, lag nicht daran, dass SVV-Vorsteher Walter Paaschen (CDU) nach bestimmt zehn Sekunden doch noch der Name der Frau einfiel, die er ehren wollte. Der Beifall galt selbstverständlich Katharina Bergholz, die am Mittwoch in der SVV-Sitzung zur neuen Kinder- und Jugendbeauftragten ernannt worden. Nachdem Paaschen eine gefühlte Ewigkeit brauchte, bis ihm „Frau Bergholz“ über die Lippen kam, sagte er in väterlicher Manier: „Kommse mal nach vorn“. Dann gab es Blumen von der Stadt und Beifall aus der Runde.
Sonja Eichwede hat keine Scheu vor Rindviechern. (Foto: Günter Baaske/Facebook)
Sonja Eichwede hat keine Scheu vor Rindviechern. (Foto: Günter Baaske/Facebook)
Günter Baaske hat so seine Art, Leuten was Nettes zu sagen. Der SPD-Landtagsabgeordnete aus Lütte im Hohen Fläming freut sich natürlich wie Bolle, dass Sonja Eichwede das Bundestags-Mandat in seiner Heimat holte. Kurz nachdem das Resultat feststand und klar war, dass der Wahlkreis wieder rot ist, postete Baaske ein Foto. Es zeigt eine in die Kamera lächelnde Eichwede, die die rechte Hand einem Rind entgegenstreckt. Das extrem dunkle Tier scheint an der hellen Hand zu schnuppern. Baaske schreibt unter das Foto: „Küss die Hand, Wahlsiegerin!“ Vielleicht tat das Rind das ja auch noch. Auf jeden Fall hat die neue Abgeordnete keine Scheu vor Rindviechern.
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Das ist diese Woche wichtig

Anerkennung in der Stadtverordnetenversammlung (Foto: Wirsing)
Anerkennung in der Stadtverordnetenversammlung (Foto: Wirsing)
Das war einfach mal fällig: Die Stadtverordneten haben den Frauen und Männern “Dankeschön” für ihre Arbeit im Impfzentrum im Stahlpalast gesagt. Nur wenige konnten das Lob am Mittwochnachmittag im Rolandsaal entgegennehmen. Doch gelten die warmen Worte allen Menschen, die in den vergangenen Monaten an dieser wichtigen Stelle einen guten Job gemacht haben.
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Warum es in der Altstadt noch nicht einmal neue Fahrbahnbeläge gibt
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Das ist im Umland los

Mittelmark-Landrat Wolfgang Blasig. (Foto: Bungert)
Mittelmark-Landrat Wolfgang Blasig. (Foto: Bungert)
Er hört auf, und zwar eher als gedacht. Wolfgang Blasig (67, SPD), Landrat von Potsdam-Mittelmark, möchte Ende März 2022 aus dem Amt scheiden. Als Grund gab Blasig sein Alter, speziell ein „ziemlich deutliches gesundheitliches Signal“ an – der Chef der Kreisverwaltung in Bad Belzig hatte im November 2020 einen Herzinfarkt erlitten. „Einen schleichenden Übergang gibt es in meinem Beruf nicht“, sagte Blasig zur MAZ. „Es gibt nur eine harte Zäsur.“ Die Reaktionen haben nicht lange auf sich warten lassen.
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Wohin am Wochenende?

Altstädtischer Markt in Brandenburg (Foto: Hesse)
Altstädtischer Markt in Brandenburg (Foto: Hesse)
Wie ist es wohl, wenn mal kein Verkehr über das Pflaster des Altstädtischen Marktes klappert? Na schön natürlich, werden wohl die meisten sagen, und mancher denkt beseelt an die Anfänge des Rolandfestes von der Plauer Straße über den Markt bis in den Parduin hinein - nicht den Huck vergessen, wo die Ritter lagerten. Am 2. und 3. Oktober kann man erleben, dass man auch ohne Ritter, aber mit viel Kunst und Kultur den Verkehr aus diesem Teil der Altstadt bekommt. Es wird ein Test, um zu zeigen, was möglich ist. Also los, liebe Leute, testet mit. Und ein Kulturkaufhaus gibt es auch.
Chortreffen: Erste Choriole mit Konzert und Workshops
Wiesenburger Literaturherbst mit Lesungen und Musik
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Bilderrätsel

Wo ist das? (Foto: Hesse)
Wo ist das? (Foto: Hesse)
Mit der neuen Havelpost gibt es auch ein neues MAZ-Fotorätsel. Jede Woche erscheint an dieser Stelle das Bild von einem Ort oder einem Gebäude in Brandenburg an der Havel. Sie, liebe Leserinnen und Leser, raten oder wissen, wo genau es ist.
Wer es weiß und die Chance auf einen Preis haben möchte, schreibt die Lösung per Mail an die Lokalredaktion unter brandenburg-stadt@maz-online.de. Einsendeschluss ist am kommenden Montag, 4. Oktober 2021, 12 Uhr. Gewinnen kann man eine historische Ansichtskarte aus Brandenburg. Wer gewonnen hat, steht in der nächsten Havelpost, die am 8. Oktober erscheint. Viel Erfolg.
In der vorigen Havelpost-Ausgabe suchten wir die Gotthardtkirche. Unter allen richtigen Einsendungen wurde Bärbel Schmidt-Rußloch aus Potsdam gezogen. Herzlichen Glückwunsch!
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Stephan Bodens Woche

Grüne-gelbe Koalition (Foto: Wissing, links)
Grüne-gelbe Koalition (Foto: Wissing, links)
Keiner kommt an der Bundestagswahl vorbei, auch nicht Stephan Boden. In seiner MAZ-Kolumne macht sich der Autor so seine Gedanken über das “Was-wohl-nun-kommt”. Ein Selfie des FDP-Mannes Wissing inspiriert Stephan Boden ganz besonders. Aber auch Dietlind Tiemann ist in seiner Kolumne mit von der Partie. Hier ist der Beweis.
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Der Blick in die Heimatgeschichte

Am Neustädtische Wassertor hätte sich die Geschichte geändert. (Repro: Hesse)
Am Neustädtische Wassertor hätte sich die Geschichte geändert. (Repro: Hesse)
Was wäre wohl mit der Revolution 1918/19 geschehen, wenn es keinen Reichswehrminister Gustav Noske (SPD) gegeben hätte, der den Aufstand blutig niederschlagen ließ? Als Kind ist Noske hinter dem Wohnhaus seiner Eltern am Neustädtischen Wassertor auf der zugefrorenen Havel eingebrochen und unter das Eis geraten. Die rettende Hand des Schiffers Rien gab der Geschichte den bekannten Lauf. Diese und elf weitere Geschichten als Stadtrundgang durch Brandenburg gibt es in einem neuen Buch, das jetzt erschienen ist.
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